Der Kamelelch

Der Kamelelch trägt seine schweren Lasten
Im Frühling und Sommer, ohne zu rasten.
Er zieht bedächtig von der Küste
Zu den Oasen in der Wüste.

Er kennt Sandstürme und Sonnenglut,
was immer geschieht, nie verlässt ihn der Mut,
denn es lebt eine Sehnsucht in ihm im Norden:
von der Mitternachtssonne, den Rentierhorden
sowie den tief verschneiten Feldern
und ewig singenden Wäldern.

Nimmt seine Sehnsucht überhand,
dann pilgert es hin zum nächsten Strand,
wartet dort auf ein Schiff oder Boot
und segelt davon im Morgenrot.

Sind dann die ersten Fjorde in Sicht,
so glaubt der Kamelelch fürwahr, es bricht
ihm das Herz vor lauter Glück.
Er springt vom Boot, schwimmt das letzte Stück
Bis hin zum Ufer und fühlt sich frei und schmückt mit Zweigen sein Schaufelgeweih.

Nun kommt ein Herbst voller Übermut:
Er springt über Gräben und eine Sturzflut.
Er badet im Teich oder in einem See
Und wälzt sich voll Lust im saftigen Klee.

Und wenn der Winter Einzug hält,
denkt er für sich: Wie schön ist die Welt,
wenn alles in Schnee und Eis versinkt
und jeder Schlitten und Schellen singt.

Er zieht seine Spuren durch den Wald.
Die Luft ist rau und bitterkalt.
Doch leise stellen sich Träume ein:
Vom Wüstenleben und Sonnenschein,
von Wanderungen unter den Sternen
und von den schmackhaften Dattelkernen.

Und während er wieder gen Süden zieht,
singt der Kamelch in die Nacht das Lied
von seinem Leben, von Leid und Lust
und von den zwei Seelen in seiner Brust.

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